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AUCOTEAM GmbH
Ausgabe 28 - Juni 2010:
 

Erneuerung der Prozessankopplung
beim Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz Transmission

Freileitung im Übertragungsnetz

Die 50Hertz Transmission GmbH (ehemals Vattenfall Transmission) als Betreiber des 380/220-Kilovolt- Übertragungsnetzes auf den Gebieten der Bundesländer Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern sowie Hamburg
erweitert und erneuert derzeit ihr Netzleitsystem. Mit diesem Projekt sollen unter anderem die technischen Voraussetzungen für effizientere markt- und liberalisierungsgerechte Regelzonenmanagement-Prozesse sowie zur Erreichung des anforderungsgerechten Sicherheitsniveaus geschaffen werden.

In einer langjährigen Zusammenarbeit mit ihrem wichtigen Kunden, der 50Hertz Transmission GmbH, konnte sich die AUCOTEAM GmbH zu einem zuverlässigen Partner des Unternehmens bei der Realisierung maßgeschneiderter netzleittechnischer Systemlösungen und deren Betreuung profilieren. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang die derzeitige Prozessankopplungsebene, der Leistungs-Frequenz-Regler sowie eine Reihe intelligenter Fernwirkkoppler.

Aufgrund der gewachsenen Anforderungen hat sich 50Hertz dafür entschieden, im Zuge des Projektes zur Erweiterung/ Erneuerung des Netzleitsystems auch die derzeitige Prozessankopplungsebene durch eine wesentlich leistungsfähigere zu ersetzen. AUCOTEAM ist stolz darauf, mit diesem Projektteil beauftragt worden zu sein.

Hohe Anforderungen an die Prozesskopplungsebene zu realisieren

Die neuen Anforderungen an die Prozessankopplungsebene sind hoch: die Anzahl der über 18 x 24 gedoppelte Fernwirkkanäle in Echtzeit zu erfassenden Datenpunkte vervierfacht sich, bestehende Funktionalitäten sind umfangreichen Erweiterungen zu unterziehen, und es sind neue Funktionsmodule, wie z.B. die Schnittstelle TASE.2 auf Basis IEC 60870-6, zu integrieren.

Leistungssprung durch Einsatz neuer Hardware

Dieser Leistungssprung wird durch den Einsatz einer neuen Hardware auf Basis eines leistungsfähigen PowerPC möglich, der über die notwendige Performance verfügt, um den o. g. Anforderungen einschließlich ausreichender Systemreserven gerecht werden zu können. Die neue Firmware beruht auf dem skalierbaren Systemkonzept UNIDAS, das sich schon in anderen Systemlösungen bei 50Hertz und weiteren Übertragungs- bzw. Verteilnetzbetreibern erfolgreich bewährt hat.

Integraler Bestandteil dieses Systemkonzepts ist Hot-Standby, d. h. die zur Beherrschung des Worst Case an verschiedenen Standorten installierten Komponenten der Prozessankopplung stellen jeweils eine redundante Funktionseinheit dar, so dass bei Ausfall oder Wartung einer Komponente, eines Fernwirkkanals oder von einzelnen Datenpunkten auf einem Fernwirkkanal die Funktionalität der Prozessankopplung gewährleistet bleibt (n-1 Prinzip). Somit weisen die UNIDAS-Systeme eine hohe Fehlertoleranz auf und entsprechen den gestellten Verfügbarkeitsanforderungen.

Leistungsspektrum des Systemkonzepts UNIDAS
  • Skalierbare Hard- und Softwarekonfiguration (einfach oder redundant)
  • echtzeitfähiges, leistungsstarkes Betriebssystem (VxWorks)
  • Integriertes Hot-Standby-Konzept (Datenmodellabgleich)
  • 24 serielle Schnittstellen RS232/485, parametrierbar als:
    - Fernwirk- und Schutzdatenprotokolle (IEC 60870-5-101, -103; DIN19244)
    - Funkuhrprotokolle, Ansteuerung von Großsichtanzeigen
  • 3 LAN-Schnittstellen (Ethernet-TCP/IP), parametrierbar als:
    - Fernwirkprotokolle gemäß IEC 60870-5-104
    - Auftragsverkehr mit Fremdsystemen (spezielle auf Anfrage)
    - TASE.2, Datenaustausch über FTP, Anbindung an WinCC
  • LON-Schnittstelle
  • Digitale und analoge Schnittstellen
  • konfigurierbare Berechnung von Formeln
  • Filterung, Mittelwertbildung, Verzögerung (Totzeit)
  • Zeitsynchronisation über verschiedene Zeitquellen
  • Grundverarbeitung, Ereigniskontrolle- und -verarbeitung
  • Tools zur Parametrierung und zum Bedienen / Beobachten, Diagnosefunktionen, fernwartungsfähig

Die zu verarbeitenden Informationen werden als Datenpunkte in einem Online-Datenmodell abgebildet. Die Quellen und Senken der Datenpunkte sowie alle dazu notwendigen Parameter lassen sich frei konfigurieren. Die Datenpflege des hochintegrierten Systems erfolgt mit einem zentralen Konfigurationsprogramm (UNIDAS-KONF), das Datenmodell wird kompakt in einer XML-Datei gespeichert. Mittels des Bedien- und Beobachtungswerkzeugs (UNIDAS-BuB) können Systemzustände und Datenpunkte visualisiert sowie im Bedarfsfall Handeingaben vorgenommen werden. Für den Anwender hat dies den Vorteil, dass Änderungen kurzfristig und mit einer hohen Flexibilität umgesetzt und somit Kosten gespart werden können.

Die Performancetests und die Migration der Software auf das neue Betriebsystem VxWorks sind bereits erfolgreich abgeschlossen. Derzeit wird an der Realisierung des Prototyps der Prozessankopplung gearbeitet, der Anfang 2011 in Testbetrieb gehen soll. Bis Mitte des Jahres 2011 soll die neue Prozessankopplungsebene in den Produktivbetrieb überführt worden sein.

Dietmar Kohl

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